Eine Reise in die Vergangenheit

Veröffentlicht am 11. Juli 2019

600 Schüler und Lehrer des Europa-Gymnasiums fahren mit Sonderzug nach Münster

VON CHRISTIAN CLEWING, Warsteiner Anzeiger, 10.07.2019
Warstein – Es sollte eine „Reise in die Vergangenheit“ sei: 600 Schüler und Lehrer des Europa-Gymnasiums Warstein fuhren gestern mit einem Sonderzug nach Münster. Zumindest auf einem Teil der Strecke waren vor Jahrzehnten noch Mädchen und Jungen per Zug unterwegs, um ihr Abitur zu bekommen. Da Warstein in der 150-jährigen Schulgeschichte nicht immer über ein vollwertiges Gymnasium wie heute verfügte, mussten die Schülerinnen und Schüler des Pro-Gymnasiums in Lippstadt, Soest oder Brilon die letzten drei Schuljahre absolvieren.
Vor gut einem Jahr entstand die Idee, einen Ausflug mit der gesamten Schulgemeinde aus Anlass des 150. Geburtstags der höheren Schulbildung in Warstein zu unternehmen. „Es war der Wunsch von allen Seiten“, so Schulleiter Bernd Belecke. Also wurde mit der Planung begonnen. „Wir haben dann abgecheckt, was geht“, dabei fiel dann auch ein Ausflug per Bus nach Brüssel, schließlich ist man ja Europa-Schule, durchs Raster. Da mal „in grauer Vorzeit“ die ganze Schule per Bahn nach Bremerhaven gefahren war, griff man diesen Ansatz auf, entschied sich für eine Eisenbahnfahrt nach Münster. Bernd Belecke: „Die meisten fahren immer mit dem Auto, das Bahnfahren ist eher die Ausnahme“, erfuhr der Schulleiter von den Schülern: „Daher ist das heute ein besonderer Ausflug und ein schönes Erlebnis.“
Möglicherweise, so Bernd Belecke, sei die Fahrt mit dem Euro-Express, ja auch nicht nur eine „Reise in die Vergangenheit“, sondern auch „eine Fahrt in die Zukunft“: „Es gibt ja Vorschläge, den Personenverkehr Richtung Lippstadt wieder aufleben zu lassen, wir testen das heute mal…“ Möglich machte dies auch die Westfälische Landes-Eisenbahn. Die stellte die Dieselloks für die Fahrt, die älteren Waggons stammen aus Münster. Gerne wäre man seitens des Gymnasiums an einem anderen Tag gefahren, weil am Montag alle Museen in Münster Ruhetag haben und dadurch das Angebot für die Gestaltung des gut vierstündigen Aufenthalts geringer ausfiel. „Aber wir durften nur heute fahren“, erläuterte Bernd Belecke das schmale Zeitfenster für den Schulausflug.
Langeweile herrschte in Münster natürlich nicht: Nach zweienhalbstündiger Hinfahrt ging es im Klassenverband auf Tour – mal zum Tretbootfahren auf dem Aasee, mal zum Sightseeing, mal zur digitalen Schnitzeljagd, natürlich auch mal zum Shoppen. Mittags gab es dann eine Stärkung vor dem Münsteraner Dom: Dort sorgte ein Team des DRK-Ortsvereins Warstein mit ihrer Feldküche für heiße Hotdogs gegen hungrige Kindermägen. Über die Schulsanitäter besteht ein enger Kontakt zum ehrenamtlichen Rettern, die sich sofort bereit erklärten, die Essensversorgung zu übernehmen. „Das ist wirklich toll“, freute sich Bernd Belecke über dieses Engagement.
Pünktlich um 15 Uhr machte sich der Sonderzug dann wieder auf Richtung Warstein. Mit einem Zug voller zufriedener Warsteiner, die auf einen erlebnisreichen Schulausflug zurückblickten. Der war mit 18000 Euro nicht ganz günstig, aber für Schulleiter Bernd Belecke und sein Team unterm Strich jeden Cent wert. Möglich machten das auch einige Sponsoren, „ohne die wäre die Fahrt für uns nicht zu stemmen gewesen“.