Am Gymnasium gibt’s bald Bio und Erdkunde auf Englisch

Veröffentlicht am 12. Dezember 2016

Könnten Sie sich mit einem Engländer über den Gesundheitszustand seines Haustieres unterhalten? Die Schüler am Gymnasium Warstein bald schon.

Hanna Budde-Mäkinen (links) und Mark Heßling (rechts) bereiten den bilingualen Unterricht vor. Sie werden Erdkunde und Biologie auf Englisch unterrichten – das entsprechende Lehrmaterial dafür haben sie schon.

„Ich kann eine Gedichtanalyse in vier Sprachen schreiben, aber von Steuern habe ich keine Ahnung“ – Mit diesem Satz erregte vor nicht allzu langer Zeit eine Schülerin Aufsehen, die damit zeigen wollte, dass das, was in Deutschlands Schulen derzeit gelehrt wird, meistens wenig mit dem Alltag zu tun hat. Dass sich genau das gerade im Bezug auf die Fremdsprachen ändert – das haben sich Hanna Budde-Mäkinen und ihr Kollege Mark Heßling auf die Fahnen geschrieben: Sie sind gemeinsam mit weiteren Kollegen gerade dabei, das so genannte „Bili-Projekt“ am Gymnasium Warstein zu entwickeln. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als Unterricht auf Englisch – aber eben nicht nur im Englisch-Unterricht, sondern auch in anderen Fächern. In Warstein handelt es sich dabei aktuell ganz konkret um die Fächer Erdkunde und Biologie.

„Die Schüler haben oft einen großen Wortschatz, den sie schriftlich in Klausuren anwenden können, stellen dann aber fest, dass es durchaus etwas anderes ist, wenn man sich mit einem native speaker unterhält“, schildert Hanna Budde-Mäkinen die Ausgangslage. Eben dieses Gespräch mit jemandem, dessen Muttersprache Englisch ist, sei aber das, was die Schüler später im Alltag viel eher erleben als die Gedichtanalyse. Diese „Alltagstauglichkeit“ in der Weltsprache Englisch hofft das Gymnasium nun durch das „Bili-Projekt“ zu fördern.

Spielerischer Beginn

Das Besondere dabei: Es beginnt ganz spielerisch. „Die Idee ist, zunächst mit einer Art AG zu beginnen, in der dann beispielsweise Aspekte aus dem Erdkunde- und Englisch-Unterricht behandelt werden: Wie und wo leben unsere Charaktere aus dem Englischbuch eigentlich? Was gibt es in ihrem Land für Besonderheiten?“, erklärt Mark Heßling, wie das Projekt anlaufen soll. Der 28-Jährige unterrichtet Englisch und Erdkunde und kann sich gut vorstellen, mit seinen Schülern über Themen zu sprechen, die in beiden Fächern auftauchen. „Das kann ein Tsunami sein, den man auf Englisch erklärt oder die klimatischen Besonderheiten eines Landes“, nennt er weitere Beispiele.

Auch seine Kollegin Hanna Budde-Mäkinen hat schon konkrete Vorstellungen davon, wie dieser Fachunterricht auf Englisch aussehen kann: „Wir behandeln im Englischunterricht beispielsweise das Thema Haustiere. Das könnte man wunderbar auch mit Biologie verbinden, indem man zum Beispiel über den Aufbau der Wirbelsäule der Tiere spricht und dieses Begriffe lernt“, sagt die Biologie- und Englisch-Lehrerin, die sich auf den Projektstart sichtlich freut: „Das wird eine sehr schöne Sache.“

Ganz ohne Leistungsdruck soll in der AG zunächst ausprobiert werden können, was funktioniert und was nicht. Das gilt vor allem für die Schüler. „Wir wollten ganz bewusst keine bilinguale Klasse einrichten“, so Budde-Mäkinen, „das erzeugt sofort ein Gefühl von Elite und für die Kinder würde das bedeuten, dass sie im Zweifelsfall die Klasse würden wechseln müssen, wenn sie sich noch umentscheiden.“ Stattdessen soll die AG, die bereits im zweiten Halbjahr des laufenden Schuljahres starten soll, die Möglichkeit bieten, zu schauen, ob der Unterricht auf Englisch eine Option sei. „Wir lassen uns da auch ganz von den Schülern treiben“, beschreibt Heßling diese Phase des Projektes, „wir wollen vor allem den Spaß an der Sprache vermitteln.“

Zertifikat am Ende der Mittelstufe

Konkret wird es dann ab der siebten Klasse: Dann können sich die Schüler entscheiden, ob sie die entsprechenden Fächer wie Erdkunde oder Bio auf Deutsch oder Englisch lernen wollen. Wer sich für den fremdsprachlichen Unterricht entscheidet, bekommt nach zwei Jahren ein entsprechendes Zertifikat – und im Idealfall die Sicherheit, sich jederzeit mit einem englischen Muttersprachler über Tsunamis oder Haustiere unterhalten zu können. „Das Ziel ist ganz klar, die Schüler kommunikativ fitter in Fremdsprachen zu machen.“

Von: Anna Gmünd, WP, 12.12.2016 – 20:07 Uhr