Als Lea Fischer und ihre Klassenkameraden 2023 einen Bürgerantrag zur Verbesserung der Schulwegsicherheit an die Stadt Warstein gestellt haben, da waren sie in der fünften Klasse. Im Politikunterricht hatten sich die Mädchen und Jungen gerade mit Sicherheit im Straßenverkehr beschäftigt und dabei festgestellt, dass die Verkehrssituation an der Schule alles andere als sicher ist. Mittlerweile sind aus den Mädchen und Jungen Teenager geworden, sie gehen nicht mehr in die fünfte, sondern in die achte Klasse – aber endlich konnten sie „ihren“ Zebrastreifen einweihen.
Es ist ein „freudiger Anlass“, sagte Schulleiter Bernd Belecke, als er zur „offiziellen Inbetriebnahme des neuen Fußgängerüberweges“ nicht nur die gar nicht mehr so kleinen Antragssteller und ihren damaligen Klassenlehrer Christian Koch begrüßte, sondern auch Dirk, Gerd, Karin und Ines vom Abijahrgang 1983. Kurz vorm Abi hatten die sich als Streich auch schon für einen Zebrastreifen eingesetzt. Allerdings: „Die haben keinen Antrag geschrieben, die haben sich einen Topf Farbe genommen und einen Zebrastreifen aufgemalt“, sagte Bernd Belecke. Die Stadt fand‘s damals gar nicht so lustig: „Da standen Regressforderungen im Raum, da wollen wir uns nicht zu äußern“, sagte Gerd lachend. 23 000 D-Mark Strafe habe der Jahrgang damals zahlen müssen. „Aber wir haben noch ein bisschen mehr Unfug gemacht“, erklärte Dirk – das Schulgebäude bekam nämlich auch Farbe ab.
„Ein bisschen versetzt ist er“, sagte Karin mit prüfendem Blick auf den Zebrastreifen. Sie hatten ihn vor 42 Jahren nämlich direkt gegenüber vom damaligen Kiosk Kneer aufgemalt. Der ist aber mittlerweile ja sowieso geschlossen.
„Zwei Jahre sind ins Land gegangen seit eurem Antrag“, sagte Ordnungsamtsleiter Thimo Roderfeld. Das habe auch daran gelegen, dass ganz schön viele Absprachen nötig waren. Im Juni 2023 gab‘s das Ja vom Rat, anschließend hat sich die Fachbehörde – also das Ordnungsamt – mit der Maßnahme beschäftigt. Einiges sei schnell umsetzbar gewesen, der Fußgängerüberweg habe am längsten gedauert. Aber auch Roderfeld hat festgestellt, als er mit der Ordnungsamtsjacke auf der Straße stand und angehupt wurde: „Die Intoleranz der Elterntaxis und der Verkehrsteilnehmer war auch für mich deutlich wahrnehmbar.“
Mit der Busgesellschaft RLG hat sich das Ordnungsamt anschließend so abgestimmt, dass die Busse künftig konsequent unterhalb der Schule in der Bushaltestelle halten, damit die Gelenkbusse dort nicht mehr aufsetzen, wurde der Asphalt ausgebessert, es gibt nun ein Halteverbot für Elterntaxis und Betonpoller, um den Verkehr abzubremsen. Die Malerarbeiten für den Zebrastreifen seien über den Kreis Soest gelaufen, die Schilder habe die Stadt aufgebaut. Gekostet hat alles rund 25 000 Euro. Es wurde also an so mancher Stellschraube gedreht, dass die Verkehrssituation am Europagymnasium sicherer wird. Thimo Roderfeld sagte deshalb augenzwinkernd: „Zu Hause könnt ihr euren Eltern erzählen, dass zu Fuß gehen auch eine gute Idee ist.“
Zur offiziellen Einweihung des Zebrastreifens gehört natürlich auch ein Scherenschnitt durchs Flatterband. Den durfte die damalige Klassensprecherin Lea Fischer machen. Wie sich das anfühlt, jetzt richtig was erreicht zu haben? „Super“, sagt die Achtklässlerin.“
Text und Foto: Hannah Löseke, Warsteiner Anzeiger vom 27.09.2025
Comic: Peter Kamps-Barth, Warsteiner Anzeiger vom 27.09.2025
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