Was die Physik und James Bond verbindet

Veröffentlicht am 13. Februar 2019

„Geschüttelt, nicht gerührt“ – die Logik der Szenen des Geheimagenten erklärt Dr. Metin Tolan

Durch das Forum des Europa-Gymnasiums Warstein ertönt die Melodie, die wahrscheinlich jeder schon mindestens einmal in seinem Leben gehört hat: Die Film-Musik von James Bond. Was die Filme des Agenten mit Physik zu tun haben, erklärt der experimentelle Physiker und Prorektor für Finanzen der TU Dortmund, Dr. Metin Tolan, als Gastreferent zum 150-jährigen Bestehen des Europa-Gymnasiums.
Westfalenpost, 13.02.2019

Untermalt mit Szenen aus den Filmen untersucht er unter anderem, wie Bond aus freiem Fall in einem Flugzeug landen kann und erklärt in seinem unterhaltsamen und lehrreichen Vortrag, wieso der Geheimagent seinen Martini „geschüttelt, nicht gerührt“ trinkt.

„Der Autor Ian Fleming wurde von einem Ornithologen zu dem Namen James Bond inspiriert“, gibt Tolan Hintergrundinformationen und erklärt, dass Fleming eine große Bibliothek zu Hause gehabt habe und er den Geheimagenten nach dem Autor eines Vogel-Buchs benannt habe. „Das erklärt auch die Szene, in der Bond sagt, er sei nur wegen der Vögel hergekommen“, so Tolan. Er zeigt die entsprechende Szene und verspricht dem Publikum, dass es diese in Zukunft mit anderen Augen betrachten werde.

Einstieg in führerloses FlugzeugWie James Bonds freier Fall und das Einsteigen in ein führerloses Flugzeug funktioniert, erklärt er mit einfacher Physik: „Das, was Bond tut, sage ich auch immer meinen Studenten: Ruhe bewahren, über die Ausgangssituation klar werden und die Geschwindigkeit schätzen.“

Er erklärt, dass das Gelingen des freien Falls mit dem Fallgesetz und dem Luftwiderstand zusammenhänge. „Mit den richtigen Zahlen, lässt sich das ganz einfach berechnen.“ Dass das funktioniert, beweist Tolan mit zahlreichen Diagrammen, in denen der Abstand und die Geschwindigkeit des Flugzeugs und des Agenten ausgerechnet wurden. Das Fazit: „Bond müsste die Geschwindigkeit des Flugzeugs auf zwei bis drei Kilometer pro Stunde genau berechnen – aber das kann er. Ein gekoppeltes nicht-lineares Gleichungssystem löst er innerhalb von Sekunden im Kopf, ich bräuchte dafür einen Computer“, lacht der Physiker.

„Von seinem „Quartiermeister“ hat James Bond immer ein kleines Extra in seinen Uhren eingebaut bekommen.“ So hat er eine Säge, die ihn von seinen Fesseln löst oder einen Laser, der es schafft Metal zu schmelzen. In dem Film „Leben und Sterben lassen“ hat der Geheimagent eine Uhr mit einem Magneten, mit der es möglich ist, eine Kugel komplett abzuwenden, beweist Bond in einem Filmausschnitt.

Magnet würde zu sehr erhitzen„Die Physik ist quantitativ. Mit der richtigen Frage kommen immer Zahlen heraus“, sagt Tolan und erklärt mit einer Rechnung, wie stark die Uhr erhitzen würde, wenn man tatsächlich einen Magneten einbauen würde, der es, wie in der gezeigten Szene, schafft einen Löffel anzuziehen und stellte fest: die Uhr würde um mehrere tausend Grad erhitzen. Doch auch dafür hat er eine Erklärung in der Physik gefunden: „Mit 1800 Drahtwindungen um die Uhr hätten wir am Ende ca. 250 Grad. Ich denke, das hält Bond aus“ und erklärt weiter, dass auch der Abstand zum Objekt eine entscheidende Rolle spiele. Denn: „Je größer der Abstand, desto mehr nimmt die magnetische Anziehungskraft ab.“

Auch was es mit James Bonds berühmten Spruch „geschüttelt, nicht gerührt“ für seinen Martini auf sich hat, erläutert der Professor: In einem zuvor selbst durchgeführten Test stellte Tolan fest, dass die Struktur des Getränks aus ringförmigen Molekülen besteht. Dabei bilden die großen Teilchen den Geschmack und die kleinen den Alkohol.

Beim Rühren werden diese Teilchen gleichverteilt. „Bond ist ein Genießer, er weiß, dass er nur einen Schluck von seinem Martini nimmt und dann gehen muss, deshalb will er ihn geschüttelt, damit die Moleküle des Geschmacks direkt nach oben kommen. Das nennt man auch Paranuss-Effekt“, erklärt der Physiker am Ende seines Vortrags und erntet für seine unterhaltsame und lehrreiche Darbietung lautstarken Applaus vom Publikum.

Auf die Frage des Physik-Lehrers Markus Schröder, wieso seine Schüler das Fach Physik wählen sollen, gibt Tolan folgende drei Gründe an: „Es macht Spaß, es macht Spaß und es macht Spaß.“