Von Zauberschrift und Feuerwerk – Grundschulkinder experimentieren zum Thema „Elemente erleben“ am Gymnasium

Veröffentlicht am 23. März 2023

Über 200 Drittklässler aus den Grundschulen Allagen, Belecke, Sichtigvor und der Lioba-Schule (mit den Standorten warstein und Suttrop) sind in dieser Woche zu Gast im Europa-Gymnasium Warstein, um an den jährlich stattfindenden mint-Experimentiertagen teilzunehmen.

Diese bunte Entdeckungswoche wurde 2018 vom damaligen Chemie-Projektkurs ins Leben gerufen. Die Kinder sollen dabei verschiedene Fähigkeiten erlernen, erklären Dagmar Wiethoff und Robin Richter, zwei der langjährigen Organisatoren des Projekts. „Wir versuchen besonders die Sinne der Kinder anzusprechen und sie somit an das Experimentieren und die Welt der Chemie heranzuführen“, so Wiethoff.

An einer Station können die Kinder herausfinden, wie viel Farbe in einer Farbe steckt. Denn das Schwarz auch Rosa, Pink und Türkis enthält, ist den meisten neu. „Wow, schau mal was da alles drin ist“, ruft Hanna ihrer Freundin Amaya zu, die beeindruckt nickt.

Fasziniert schauen die jungen Gäste, wenn ihre bereits getrocknete Zitronenschrift auf dem Filterpapier nach dem Erwärmen durch ein Bügeleisen wieder sichtbar wird.

Mithilfe von Salz können Eiswürfel aus einer Schüssel voll Wasser geangelt werden. Die Grundschüler versuchen sich auch im Eiswürfel-Stapeln und wollen natürlich immer einen neuen Rekord aufstellen. „Ich habe neun Würfel geschafft“, erzählt Lucas stolz.

Mit jeder Station werden die Mädchen und Jungen mehr gefordert – wie zum Beispiel beim Umgang mit Feuer. Janina aus der Q2 bringt ihnen bei, wie man ein Streichholz entfacht. Danach wird zuerst nur eine Kerze angezündet, dann ein Teebeutel, der sich beim Verbrennen in die Luft begibt und für großes Staunen sorgt, und wer sich traut, darf sich dann auch noch am Bunsenbrenner versuchen – natürlich nur mit Hilfe der älteren, erfahrenen Schülerinnen und Schüler.

Richtig spannend wird es beim Erhitzen von Eisen, Eisenwolle und Eisenpulver. Obwohl das Metall im festen Zustand nur glüht, springen beim Pulver plötzlich Funken, es entsteht ein kleines Feuerwerk.

Riechen und schmecken soll auch nicht zu kurz kommen: Die Kinder können sich an einem Duftmemory probieren und ihre eigene Brause herstellen. „Mhh, schmeckt lecker“, stellt Josephine fest, aber Stella findet: „Uhh, das ist mir viel zu sauer!“

Besonders beliebt ist das Experiment mit Wasser und Stärke: „Das Rumgematsche finden die einfach toll“, weiß Dagmar Wiethoff, genauso wie das Herstellen von Knetseife und Glitzer-Schleim.

Auch komplexere Themen wie die Dichte von verschiedenen Stoffen und die Oberflächenspannung werden angeschnitten. Die Kinder füllen Wasser und Öl in ein Becherglas, geben anschließend tropfenweise Tinte hinzu. Diese durchdringt zwar die Ölschicht, aber schafft es lange nicht, ins Wasser vorzudringen. „Wie funktioniert das?“, wollen die Kleinen wissen, doch die Großen verraten nur: „Das lernt ihr dann bei uns im Unterricht.“

Die Kinder sind von den Experimenten begeistert und laufen gespannt von Station zu Station.

Eine Premiere fand im Inforaum statt: Erstmals lernten die Grundschüler das Programmieren von Microbits kennen. Maurice ließ sich seinen Namen nach dem Schütteln anzeigen, Lina programmierte ein bebendes Herz nach dem Drücken des Knopfes A und Sophia eine wachsende Blume. „Die waren alle glücklich, als sie ihre Bildchen hatten“, berichtet Informatiklehrerin Doris Sina. „Doris organisiert ihren Teil komplett selbstständig, das hilft uns wirklich sehr“, betont Robin Richter und Dagmar Wiethoff ergänzt: „Sie macht unser Programm dadurch noch viel abwechslungsreicher und bringt den Kindern Inhalte näher, die später in Fächern wie Informatik thematisiert werden.“

Nachdem die Drittklässler eine Weile getüftelt haben, geht es für einen Teil zur Stärkung in die schuleigene Mensa und für die anderen in die Sporthalle. Dort warten Sportlehrer Andreas Burger und die frisch ausgebildeten Sporthelferinnen und Sporthelfer, die mit ihnen eine Sportpause machen.

„Das Tolle ist, dass das Projekt wirklich allen Freude macht“, sagt Dagmar Wiethoff und Robin Richter ergänzt: „Den Kleinen und den Großen.“

Denn die Veranstaltung kommt den Grundschülern und den Oberstufenschülern des Gymnasiums zugute. Die Europaschule setzt besonders auf das „Lernen durch Lehren“. „Das findet eine ganz andere Auseinandersetzung statt“, so Richter. Und die Oberstufenschüler ernten großes Lob: „Alle hier machen das freiwillig und das ist wirklich toll zu sehen, mit wie viel Begeisterung sie die Grundschüler anleiten“, erzählt Dagmar Wiethoff. „Es ist für uns auch interessant, unsere Schüler und Schülerinnen mal aus einer anderen Perspektive betrachten zu können. Viele kommen ganz anders aus sich heraus“, berichtet der Chemielehrer begeistert. Laut den Chemie- und Physiklehrern sei die Frage manchmal eher, wer eigentlich am meisten Spaß hätte, denn auch die Älteren greifen gerne mal zum Experimentierzeug.

Auch die Oberstufenschüler berichten nur von positiven Erfahrungen: Neben dem Spaß beim Begleiten und Anleiten der Grundschüler stärke das Projekt auch die Kommunikation und Zusammenarbeit der Abiturienten.

Das Projekt wurde dieses Jahr von Dagmar Wiethoff, Doris Sina, Robin Richter und seinen beiden Chemie-Grundkursen der Q2 geplant und durchgeführt. Unterstützt wurden sie bei der Gruppenbetreuung von Schülern und Schülerinnen aus der Stufe 8. „Die haben das wirklich toll gemacht“, lobt Richter auch diese.

In der Sporthalle halfen die Sporthelfer tatkräftig Andreas Burger die Kinder auszupowern. Geholfen haben auch Marita Bamberg, ehemalige Sekretärin der Schule, und Mia Meier, Bundesfreiwilligendienstleistende des Gymnasiums, indem sie bei der Verpflegung der Kinder in der Mensa mithalfen. „Wir sind dankbar für alle helfenden Hände“, resümierte Dagmar Wiethoff, „ohne sie wäre das auch nicht möglich gewesen“.

„Bei unserem Angebot ist für jeden etwas dabei, auch Kinder mit besonderem Förderungsbedarf können problemlos mitmachen“, versichert Dagmar Wiethoff. Denn über die Jahre wurde das Programm immer wieder weiterentwickelt, sodass am Ende jedes Experiments ein Erfolgserlebnis steht: entweder ein Erlebnis oder ein Produkt.

Leonie Craes, Soester Anzeiger Warstein, 22. März 2023

 

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