Es ist ein Rollenwechsel für Dr. Thomas Schöne. Vor genau 40 Jahren hat er am Gymnasium in Warstein sein Abitur gemacht, dann seine Laufbahn als Jurist gestartet. Nun kehrt er zurück, natürlich nicht mehr als Schüler, sondern als jemand, der den Mädchen und Jungen etwas beibringen will. Als Lehrer will er sich dabei selbst allerdings nicht bezeichnen. „Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl“, sagte Warsteins Ex-Bürgermeister kurz bevor er seine erste Unterrichtseinheit in der Rechtskunde-AG der Schule, die mittlerweile Europa-Gymnasium heißt, leitete.
Bericht u. Foto: Jens Hippe, Warsteiner Anzeiger, 28.02.2026
20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 nehmen teil, haben sich nach einer Informationsveranstaltung mit Schöne für die freiwillige Arbeitsgemeinschaft entschieden. „Das war sehr erfolgreich, sonst mussten wir darum kämpfen, dass es zehn werden“, berichtet Schulleiter Bernd Belecke. Und Thomas Schöne ergänzt: „Da haben wir beide gestaunt.“
Aufstehen müssen die Teilnehmer nicht, wenn Schöne das Klassenzimmer betritt, stellt er gleich am Anfang klar. Aber aufmerksam sollten sie sein, denn der ehemalige Bürgermeister möchte sie mit den verschiedenen Rechtsgebieten vertraut machen, wie dem Strafrecht oder dem Zivilrecht. Aber es soll auch um Meinungsfreiheit, Demokratiebildung und politische Teilhabe gehen, sagt er. Dass sie sich gerade für die besonders interessieren, haben die Gymnasiasten bei ihrem erfolgreichen Einsatz für die Einrichtung eines Zebrastreifens an der Schule und zuletzt bei ihrem Antrag an den Rat für den Bau von Fahrradständern an der Dreifachhalle gezeigt.
Strenge Vorgaben für die Unterrichtsgestaltung gibt es vom Land Nordrhein-Westfalen nicht, eher ein „grobes Curriculum“, so Schöne. Er hat sich auf jeden Fall für die zehn Doppelstunden vorgenommen: „Es soll kein Frontalunterricht werden. Wir werden diskutieren und zusammenarbeiten.“ Abwechslungsreich und praxisnah möchte er die Unterrichtseinheiten gestalten. „Es soll keine Juravorlesung light werden. Das ist ganz anders aufgezogen als in der Uni“, sagt Schöne. Daher will er auch „aktuelle Fälle, die in den Medien waren, vor dem rechtlichen Hintergrund behandeln“. Zudem ist der Besuch einer Gerichtsverhandlung im Amtsgericht in Warstein geplant. Der zuständige Richter wird den Schülerinnen und Schülern zuvor in einer Unterrichtseinheit eine Einführung in den Fall geben.
An unterstützendes Lehrmaterial „war gar nicht so einfach dranzukommen“, hat der Jurist seiner Unterrichtsvorbereitung gemerkt. Ein bisschen gibt es aber doch, und so gab es für die Jugendlichen zu Beginn der ersten Stunde das Buch „Jura für Kids: Eine etwas andere Einführung in das Recht“, das Grundgesetz und die nordrhein-westfälische Landesverfassung.
Rechtskunde-Unterricht habe es am Europa-Gymnasium schon immer gegeben, berichtet Schulleiter Bernd Belecke. Amtsrichter Struff und Warsteiner Rechtsanwälte wie Ludger Kückelhaus hatten ihn gehalten. Für dieses Halbjahr sei eine Anfrage vom Landgericht Arnsberg gekommen, ob man wieder einmal eine Rechtskunde-Arbeitsgemeinschaft anbieten wolle. Mit Thomas Schöne fand er schnell einen geeigneten Kandidaten als Lehrkraft – für eine kleine Aufwandsentschädigung, die vom Land finanziert wird.
„Das ist etwas, was mich mit großer Freude, aber auch mit viel Verantwortungsgefühl und Respekt erfüllt“, erklärt Schöne, dessen Zulassung als Rechtsanwalt während seiner zehnjährigen Amtszeit als Bürgermeister geruht hatte. „Seit dem 1. November ist sie aber automatisch wieder aufgelebt“, berichtet er. Die Rückkehr ans Gymnasium ist damit auch eine kleine Rückkehr in seinen Beruf. Und sein Ziel dabei ist es: „Vielleicht kann ich die Freude am juristischen Denken und vielleicht auch für später mal einen juristischen Beruf wecken.“
Wenn sich 20 Neuntklässler des Europa-Gymnasiums freiwillig für die Teilnahme an einer Rechtskunde-AG entscheiden, ist das eine gute Sache. Denn in einer demokratischen Gesellschaft ist es wichtig, dass die Menschen ihre Rechte und Pflichten kennen. Und der Rechtskunde-Unterricht stärkt das Verständnis für unseren Rechtsstaat und für Demokratie – das ist auch das Interesse von Ex-Bürgermeister Dr. Thomas Schöne, der die Kursleitung übernommen hat. Wer versteht, wie Gesetze entstehen, was passiert, wenn man sie bricht, und weiß, warum Grundrechte geschützt werden müssen, entwickelt mehr Respekt vor demokratischen Prozessen und vor politischen Akteuren. Und lernt dadurch auch, sich in der Informationsflut besser zurechtzufinden, politische Aussagen besser einzuordnen und zwischen Tatsache und Meinung oder Meinungsmache zu unterscheiden. Denn das sind Fähigkeiten, die in unseren Zeiten von sozialen Medien, Fake News und populistischen Parolen immer wichtiger werden. Und deshalb ist es gut, dass es solche Lehrangebote an unseren Schulen gibt, und sehr erfreulich, dass sie so stark wahrgenommen werden.
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