Oberstufenschüler bestreiten außenpolitische Weltreise

Veröffentlicht am 12. März 2019

SZ-Journalist Tobias Matern stellte sich politischen Fragen von Warsteiner Gymnasiasten

„Warum wurde der deutsche Botschafter aus Venezuela ausgewiesen?, „Was sagen Sie zum Kaschmir-Konflikt?“, „Was zeigt uns der Konflikt um das Südchinesische Meer?“ – mit einer „politischen Generation“, so merkte auch Tobias Matern, außenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, hatte er es am Montagmorgen im Forum des Europa-Gymnasiums zu tun.

„Warum wurde der deutsche Botschafter aus Venezuela ausgewiesen?, „Was sagen Sie zum Kaschmir-Konflikt?“, „Was zeigt uns der Konflikt um das Südchinesische Meer?“ – mit einer „politischen Generation“, so merkte auch Tobias Matern, außenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, hatte er es am Montagmorgen im Forum des Europa-Gymnasiums zu tun.

Hatte der SZ-Journalist noch am Abend zuvor im Haus Kupferhammer über „Deutschlands neue Rolle in der Weltordnung“ referiert, wurde nun ein bunter Strauß außenpolitischer Themen „abgegrast“. Seine Aufforderung „Glaubt nicht alles, was Ihr da draußen lest – stellt Fragen!“, kam dem Wissensdurst der rund 150 anwesenden Oberstufenschülerinnen und -schüler gerade gelegen, bombardierten sie Matern nun regelrecht mit Fragen – von peinlicher Stille keine Spur. Und bereits mit der ersten Frage wurde deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler politisch eindeutig „up to date“ sind: Weshalb der deutsche Botschafter genau aus Venezuela ausgewiesen wurde, wollten sie wissen, und ob es richtig von ihm gewesen sei, sich im Wettstreit zwischen Maduro und Guaidó so eindeutig zu positionieren. „Ich finde es immer gut, wenn Politiker und Diplomaten eine eigene Haltung haben. Aus völkerrechtlicher Perspektive ist das aber eine extrem knifflige Frage“, konnte auch der Außenpolitik-Experte kein klares Statement abgeben. Auch wenn er das Verhalten moralisch unterstütze, sei es für Deutschland natürlich auch wichtig, vernünftige und diplomatische Beziehungen zu Venezuela zu pflegen.

Weiter ging es auf der außenpolitischen Weltreise nach Indien und Pakistan, wo
aktuell der Kaschmir-Konflikt nuklear zu explodieren drohe. In diesem Zusammenhang bemängelte Matern insbesondere, dass es keinen neutralen „internationalen Makler“ gebe. Hier sehe er die EU in der Pflicht, sich – auch trotz der räumlichen Distanz – mehr zuständig fühlen. Schließlich bedrohe ein Konflikt, der das Potenzial habe, nuklear zu eskalieren, letztlich die ganze Welt.

Von hier aus war es nun auch ins benachbarte China – das bevölkerungsstärkste
Land, das Land der neuen Technologien, oder, wie Matern es kurz formulierte: „die Werkbank der Welt“, nicht mehr weit. Dass es wenige Produkte in unserem Alltag gibt, auf denen nicht „made in China“ steht, ist im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit geworden. Doch auch politisch befinde sich die Volksrepublik auf einem Vorreitermarsch – und war auf einem, in dem Matern eine große Gefahr sieht. Das chinesische Regime sei deutlich repressiver geworden, stehe unserem Wertesystem entsprechend entgegen.

War man nun also schon bei den politischen Großmächten angelangt, lag es nahe, auch einen Bogen in die USA zu spannen. Nachdem die Politik der Vereinigten Staaten unter der Führung Trumps sich immer mehr am Prinzip „America First“ orientiere und globale Interessen hintergründig würden, sei auch hier Deutschland mehr in der Pflicht. „Das Vakuum, was da entsteht, wird immer
mehr an Deutschland herangetragen“. Hier gehe es laut Matern vor allem darum, im Rahmen eines gemeinsamen Europas stärker darauf zu drängen, mehr Macht auszuüben. Denn sonst würde irgendwann China dieses Vakuum füllen – und das nicht zu unseren Gunsten, wie der Außenpolitik-Experte prognostizierte. Deutschland müsse also eigentlich selbstbewusster agieren, tue sich aber aufgrund seiner Historie nach wie vor schwer mit dem Begriff „Macht“.

In diesem Zusammenhang interessierte die Schülerinnen und Schüler, ob man nicht mittlerweile auch amerikanische Verhälnisse in der deutschen Politik beobachten könne – man denke an den Erfolg der AfD im letzten Wahlkampf. Hier „Lügenpresse“, bei Trump „Fake News“ – gewisse Parallelen seien unverkennbar. Dennoch sehe er zwei wesentliche Vorteile in Deutschland: Zum einen die Finanzierung des Wahlkampfs, die einfach wenig anfälliger für Manipulationen sei. Und zu anderen das Mehrparteiensystem. Man solle nicht vergessen, dass auch 85 bis 90 Prozent der Wähler anderen Parteien ihre Stimmen geben.

Wieder in der deutschen Politik angelangt, neigte sich die kleine „Weltreise“ dem Ende zu. „Ich glaube, die Schüler konnten damit viel anfangen“, fasste Larissa König, die den Vortrag in Kooperation mit dem Haus Kupferhammer organisiert hatte, zusammen. Und auch für Matern selbst hatte sich die Reise ins heimische Westfalen gelohnt: „Ich bin immer wieder beeindruckt, in welcher Tiefe da Fragen kommen“.

Bange, Warsteiner Anzeiger, 12.03.2019