Mädchen- und Jungenwelten 2026

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

Wo sehe ich mich im Alter von 30 Jahren? Welche Rollen übernehme ich im Laufe des Lebens? Wie und was kommuniziere ich über Chats?

Mit diesen und anderen wichtigen Fragen beschäftigten sich die Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe 9 des Europa-Gymnasium Warsteins im Rahmen des Projekts Mädchen- und Jungenwelten. Während die Jungen vier gemeinsame Tage im Gemeindezentrum am Markt verbrachten, nutzen die Mädchen mit ihren Gruppenleiterinnen die Räumlichkeiten des Fort- und Weiterbildungszentrums der LWL. Das Ziel dieser vier Tage ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, Empathie zu fördern sowie einen respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen zu entwickeln.

Die Mädchen waren in drei Gruppen eingeteilt und wurden von den fünf Lehrerinnen Jasmina Eickmann, Barbara Klauke, Daniela Bonse, Viviana Stelte sowie Carolin Köneke betreut. Unterstützt wurden sie von der Sozialpädagogin Marlene Alshut. Dieses bereits jahrelang durchgeführte Projekt entwickelt sich durch die Erfahrungen der Lernenden sowie neuer Trends von Jahr zu Jahr weiter. Ein Bestandteil des Mädchenwelten-Projekts war das Thema sichere Kommunikation. Die Neuntklässlerinnen beschäftigten sich mit rechtlichen Grundlagen und überlegten zusammen, wozu sie Social-Media-Apps wie Instagram und Snapchat nutzen und was sie dort von sich und anderen preisgeben.

Im Zusammenhang damit befassten sie sich mit typischen Rollenbildern der Frau ebenso wie ihrer Wirkung nach außen. Weitere Themen waren zum Beispiel „Grenzen setzen“ und „Nein sagen“. Sie beschäftigten sich ausführlich mit dieser Thematik und stellten Thesen auf, wie sie in Ausnahmesituationen handeln würden. Im Anschluss daran gaben zwei Schülerinnen aus der Q1 einen Mini-Workshop zu Selbstverteidigungsübungen, der den Lernenden unter anderem die Tragweite der richtigen Körperhaltung verdeutlicht hat.

 

In Kleingruppen wurde zudem über Zukunftsvorstellungen und Träume gesprochen. Die Mädchen überlegten, an welchen Stellen in ihrem Leben sie sich in 30 Jahren wiederfinden möchten und schrieben einen Brief an ihr zukünftiges Ich, in welchem sie ihre Ziele festhielten. An den letzten beiden Tagen drehte sich alles rund um die Themen Liebe, Freundschaft, Verhütung und Hygieneartikel. Viele Fragen und Aspekte der Schülerinnen wurden thematisiert. Hierdurch wurden das Selbstbewusstsein und die Offenheit gegenüber vielen Themen, die oftmals immer noch als Tabuthemen gelten, gestärkt.

Die Jungen wurden von den drei Lehrern Claus Finger, Robin Richter und Hendrik Möcker betreut. Das Team um Hauptorganisator Finger bestand zudem aus Dominik Risse als Sozialarbeiter des ESTA-Bildungswerks Warstein, Tom Scholz, der beim Kreis Soest in der Abteilung Gesundheit tätig ist sowie Michael Heinemann, welcher zurzeit Soziale Arbeit an der KFH in Paderborn studiert. Am ersten Tag stellten die Neuntklässler sich die Frage: „Was macht den perfekten Mann aus?“ In diesem Zusammenhang thematisierten sie klassische Rollenbilder. Dazu befragten sie auch Passanten. Am Tag darauf stand der Punkt Erziehung und die Rolle des Vaters auf dem Programm.

Besonderen Gesprächsbedarf gab es beim Thema Sucht und Drogen. Dabei diskutierten die Jugendlichen, ab wann eine Sucht als solche ernstzunehmen sei und was sie von schlechten Angewohnheiten unterscheidet. Auch über mögliche Lösungen und Auswege aus einer Sucht wurde gesprochen. Konsum von Drogen sowie von Nikotin nimmt auch in unteren Klassen immer weiter zu und es ist uns wichtig, rechtzeitig vor möglichen Gefahren zu warnen und darüber aufzuklären.

Ebenso wie die Mädchen, befassten sich auch die Jungen mit Themen wie Freundschaft, Liebe und Verhütung und auch sie hatten die Chance, Fragen und persönliche Anliegen aufzuschreiben, die sie zurzeit beschäftigen, welche dann in den einzelnen Gruppen diskutiert wurden.

Während des Projekts ist jedoch ein dringender Rede- und Klärungsbedarf entstanden. Bei der anonymisierten Befragung untereinander – Mädchen stellten Fragen an Jungen, Jungen an Mädchen – wurden von einigen Schülern in ihren Antworten frauenverachtende, sexistische, homophobe sowie menschenunwürdige Aussagen formuliert. Diese Äußerungen bezogen sich unter anderem auf Themen wie sexuelle Orientierung, Geschlechterrollen und den weiblichen Körper.

Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie als europäisch ausgerichtete Bildungseinrichtung ist es unser klarer Auftrag, junge Menschen zu demokratischem Denken, zur Achtung der Menschenwürde und zu einem respektvollen Umgang miteinander zu erziehen. Sowohl die Erziehungsberechtigten als auch unsere Schule griffen diese Thematik bereits in der darauffolgenden Woche auf und mit den Schülerinnen und Schülern der gesamten Jahrgangsstufe wurden die Aspekte in gemeinsamen Gesprächen reflektiert. Dabei wurde deutlich herausgestellt: Grenzverletzendes, diskiminierendes Verhalten hat Konsequenzen und ist nicht akzeptabel!

Diesen Beitrag teilen: