„Freue mich wahnsinnig“

Veröffentlicht am 29. Oktober 2024

Julja Linhof (Abijahrgang 2010) erhielt „aspekte“-Literaturpreis für Debütroman – am 13. Nov. ist sie an ihrer alten Schule zu Gast und wird in der 5./6. Std. vor der Oberstufe lesen und berichten

In der alten Heimat war ihr Debütroman bereits bei Erscheinen im Frühjahr auf großes Interesse gestoßen. Nun macht Julja Linhof mit ihrem Buch „Krummes Holz“ überregional von sich reden. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde die 33-Jährige mit dem ZDF-„aspekte“-Literaturpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert und wird für das beste literarische Prosa-Debüt des Jahres vergeben. Mehr als 60 Bücher hatte die fünfköpfige Jury begutachtet, bevor die Wahl auf die 1991 geborene Julja Müller fiel, die Kindheit und Jugend auf der Haar verbracht hat und als Autorin heute den Namen des elterlichen Hofes trägt.

„Ich freue mich wahnsinnig darüber“, sagte Julja Linhof, als „aspekte“-Redaktionsleiter Daniel Fiedler ihr die Urkunde „für das herausragendste Romandebüt des Jahres“ übergab. Zehn Jahre lang hatte sie der Stoff des Buches beschäftigt. „Die Geschichte ließ mich einfach nicht los“, schilderte sie auf der Literaturbühne. Es sei „ein ewiges Auf und Ab“ gewesen. Sie habe sich immer neu motivieren müssen. Den Stoff des Buches hatte sie dort verortet, wo sie selbst aufgewachsen ist und zwei Jahrzehnte ihres Lebens verbracht hat. „Die Stärke liegt darin, dass ich mich in der Gegend auskenne, hier fühle ich mich verwurzelt.“

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Poetisch mythisch und gleichzeitig lebenswirklich macht Julja Linhof in ihrem Debüt die Unwägbarkeiten sichtbar, die das Heranwachsen mit sich bringt. Jirka stellt sich den Traumata seiner Kindheit und durchbricht mit größter Empfindsamkeit die Sprachlosigkeit seiner Familie. Damit aus dem krummen Holz, aus dem er gemacht ist, doch noch etwas Schönes wachsen kann.“

Dass sie nach Erscheinen des Buches sofort auf Lesereise gehen konnte, sei für sie „total schön“ gewesen, sagte die Preisträgerin, die sich von Literatur-Nobelpreisträgerin Hertha Müller inspiriert fühlt. Julja Linhof, die heute in Hamburg lebt, hatte ihr Publikum dabei auch in Belecke, Soest und Hamm getroffen. Ihre deutlich gesteigerte Bekanntheit wurde ihr sogleich am Stand ihres Verlages bewusst, als sie stapelweise Bücher zu signieren hatte.


REINHOLD GROSSELOHMAN, Warsteiner Anzeiger, 22.10.24

„Krummes Holz“

Nichts wächst einfach und gerade in Julja Linhofs fesselndem Anti-Heimatroman ‚Krummes Holz‘. In einem Alter, in dem andere von zu Hause weggehen, um fürs Leben zu lernen, kommt der 19-jährige Jirka aus dem Internat auf den Hof seiner Familie zurück. Es ist ein Zuhause, in dem niemand auf ihn wartet. In dem alten Bauernhaus dominieren Gefühlskälte und Schweigen. Die depressive Mutter ist verstorben, vom gewalttätigen Vater fehlt jede Spur, Jirkas Schwester Malene redet nicht mehr mit ihm. Und mit dem älteren Verwaltersohn Leander verbindet ihn ein Geheimnis …“

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