„Ich freue mich wahnsinnig darüber“, sagte Julja Linhof, als „aspekte“-Redaktionsleiter Daniel Fiedler ihr die Urkunde „für das herausragendste Romandebüt des Jahres“ übergab. Zehn Jahre lang hatte sie der Stoff des Buches beschäftigt. „Die Geschichte ließ mich einfach nicht los“, schilderte sie auf der Literaturbühne. Es sei „ein ewiges Auf und Ab“ gewesen. Sie habe sich immer neu motivieren müssen. Den Stoff des Buches hatte sie dort verortet, wo sie selbst aufgewachsen ist und zwei Jahrzehnte ihres Lebens verbracht hat. „Die Stärke liegt darin, dass ich mich in der Gegend auskenne, hier fühle ich mich verwurzelt.“
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Poetisch mythisch und gleichzeitig lebenswirklich macht Julja Linhof in ihrem Debüt die Unwägbarkeiten sichtbar, die das Heranwachsen mit sich bringt. Jirka stellt sich den Traumata seiner Kindheit und durchbricht mit größter Empfindsamkeit die Sprachlosigkeit seiner Familie. Damit aus dem krummen Holz, aus dem er gemacht ist, doch noch etwas Schönes wachsen kann.“
Dass sie nach Erscheinen des Buches sofort auf Lesereise gehen konnte, sei für sie „total schön“ gewesen, sagte die Preisträgerin, die sich von Literatur-Nobelpreisträgerin Hertha Müller inspiriert fühlt. Julja Linhof, die heute in Hamburg lebt, hatte ihr Publikum dabei auch in Belecke, Soest und Hamm getroffen. Ihre deutlich gesteigerte Bekanntheit wurde ihr sogleich am Stand ihres Verlages bewusst, als sie stapelweise Bücher zu signieren hatte.
REINHOLD GROSSELOHMAN, Warsteiner Anzeiger, 22.10.24
„Krummes Holz“
„Nichts wächst einfach und gerade in Julja Linhofs fesselndem Anti-Heimatroman ‚Krummes Holz‘. In einem Alter, in dem andere von zu Hause weggehen, um fürs Leben zu lernen, kommt der 19-jährige Jirka aus dem Internat auf den Hof seiner Familie zurück. Es ist ein Zuhause, in dem niemand auf ihn wartet. In dem alten Bauernhaus dominieren Gefühlskälte und Schweigen. Die depressive Mutter ist verstorben, vom gewalttätigen Vater fehlt jede Spur, Jirkas Schwester Malene redet nicht mehr mit ihm. Und mit dem älteren Verwaltersohn Leander verbindet ihn ein Geheimnis …“
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