Zwischen den Adventstagen, am 08.12.2025, brachen 77 Lernende der EF gemeinsam mit ihren Lehrkräften Frau Struwe und Herrn Bertels zu einem dreitägigen Seminar in die Gedenkstätte Buchenwald auf.
Untergebracht war die Gruppe in der Jugendbegegnungsstätte in der ehemaligen SS-Kaserne und wurde von zwei Guides der Gedenkstätte begleitet. Durch unterschiedliche Zugänge – eine eigenständige Erkundung des Geländes mit Arbeitsauftrag sowie eine einführende Führung – konnten erste Eindrücke gesammelt werden. Besonders die Größe des Lagerkomplexes hinterließ nachhaltigen Eindruck. Der erste Abend bot Raum für Austausch und Gemeinschaft, etwa beim Kickern, Tischtennis oder gemeinsamen Spielen.
Der Dienstag stand im Zeichen intensiver Führungen. Die Lernenden näherten sich dem Lager zunächst von außen und erfuhren von den SS-Villen, dem Offizierscasino und dem ehemaligen Zoo, der sich direkt neben dem Lagertor mit der Inschrift „Jedem das Seine“ befand. Für die Häftlinge bedeutete der Blick auf vergnügte Zoobesucher eine zusätzliche Demütigung. Auch der Weg der Häftlinge vom Weimarer Bahnhof über die sogenannte „Blutstraße“ ins Lager wurde nachvollzogen. Dabei wurde deutlich, dass die Weimarer Bevölkerung die Ankunft und Misshandlung der Gefangenen wahrnahm.
Im Lager selbst wurde die Entstehungsgeschichte ab 1937 thematisiert. Ursprünglich für 8.000 bis 10.000 Häftlinge ausgelegt, waren bis zum Kriegsbeginn vor allem deutsche Männer inhaftiert, darunter politische Gegner und andere von den Nationalsozialisten Ausgegrenzte. Die Lernenden erfuhren von den grausamen Lebensbedingungen: Zwangsarbeit, Hunger, Gewalt, Folter und systematische Tötungen. Besonders erschütternd waren die Berichte über den „Pferdestall“, in dem rund 8.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden, sowie über das Krematorium und den berüchtigten „Bunker“.
Ein zentrales Anliegen des Seminars war nicht nur das Erinnern, sondern auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Lernenden diskutierten, wie eine Gesellschaft solche Verbrechen zulassen konnte, und setzten sich mit aktuellen Formen von Rechtsextremismus auseinander. Die Präsenz von Sicherheitskräften vor Ort machte deutlich, dass rechtsextremistischer Vandalismus bis heute ein Problem darstellt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich der Charakter des Lagers grundlegend. Die Zahl der Inhaftierten stieg stark an, insbesondere jüdische Häftlinge und Menschen aus Osteuropa wurden im sogenannten „kleinen Lager“ unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht, die einem Todeslager gleichkamen. Am Abend vertieften die Lernenden ihre Eindrücke im Museum und beim gemeinsamen Filmschauen von „Nackt unter Wölfen“.
Am Mittwoch besuchte die Gruppe das Mahnmal auf dem Ettersberg. Trotz der ideologischen Instrumentalisierung des Erinnerns in der DDR bleibt es ein würdiger Ort des Gedenkens an die rund 56.000 Opfer des KZ Buchenwald.
Memento – erinnere dich
Diesen Beitrag teilen:
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen